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15.08.2017

24. DOSCH-Symposium: Neueste Erkenntnisse zur Händedesinfektion

Wirkstoffe mit remanenter Wirkung werden seit Jahren in Händedesinfektionsmitteln eingesetzt. Für die hygienische Händedesinfektion wird der Einsatz der Remanenzwirkstoffe, die zum Teil ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen aufweisen, seit 2016 von der KRINKO nicht mehr empfohlen. Für die chirurgische Händedesinfektion konnte für den Zusatz remanent wirksamer Wirkstoffe wegen der ungeklärten Nutzen-Risiko-Bewertung zum Erscheinungsdatum der KRINKO-Guideline noch keine abschließende Empfehlung gegeben werden. Auf dem diesjährigen DOSCH-Symposium in Velden am Wörthersee stellte Prof. Dr. Günter Kampf, selbstständiger Facharzt für Hygiene- und Umweltmedizin aus Hamburg, nun Studien vor, die diese Nutzen-Risiko-Bewertung klären. Sie zeigen, dass die Langzeitwirkung alkoholischer Händedesinfektionsmittel mit Remanenzwirkstoffen in der chirurgischen Händedesinfektion vergleichbar ist mit der Langzeitwirkung, die mittels alkoholischer Händedesinfektionsmittel ohne diese Wirkstoffe erreicht wird.

Remanent wirksame Wirkstoffe wie z.B. Chlorhexidin (CHG) oder Mecetroniumetilsulfat (MES) sollen die Langzeitwirkung von Händedesinfektionsmitteln erhöhen. In seinem Vortrag auf dem DOSCH-Symposium am 17. Mai 2017 in Velden ging Prof. Dr. Günter Kampf darauf ein, dass neueste Studien2,3 nachweisen, dass Remanenzwirkstoffe nicht für die Langzeitwirkung verantwortlich sind, die von der WHO für die chirurgische Händedesinfektion gefordert wird4. Außerdem können die Wirkstoffe zu erworbenen bakteriellen Resistenzen5, Hautirritationen6 oder sogar zu einem anaphylaktischen Schock führen7. „Diese möglichen Nebenwirkungen sollten bei täglichem, mehrfachen Gebrauch der Händedesinfektionsmittel nicht unterschätzt werden“, erläuterte Prof. Dr. Kampf.

So empfiehlt die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) für die hygienische Händedesinfektion: „Präparate mit Zusatz antimikrobiell remanent wirksamer Wirkstoffe sind nicht zu empfehlen, da durch ihre Zugabe keine verbesserte Wirksamkeit erreicht wird, aber das Risiko von Nebenwirkungen ansteigt (Kat. II)“.1 Für die chirurgische Händedesinfektion lautet die Empfehlung der KRINKO: „Für den Einsatz von Präparaten mit Zusatz antimikrobiell remanent wirksamer Wirkstoffe kann wegen der ungeklärten Nutzen-Risiko-Bewertung derzeit keine Empfehlung gegeben werden [Kat. III]“.1 In seinem Vortrag stellte Prof. Kampf zwei Publikationen2,3 vor, die zum Einsatz von remanent wirksamen Wirkstoffen bei der chirurgischen Händedesinfektion erschienen sind. Da es bei der chirurgischen Händedesinfektion neben der Sofortwirkung auch auf die Langzeitwirkung ankommt, wurde untersucht, ob Wirkstoffe wie CHG, MES oder Orthophenylphenol (OPP) hier einen zusätzlichen Nutzen bringen. Im Journal of Hospital Infection wurde die Übersichtsarbeit 2017 veröffentlicht. Sie bewertet alle veröffentlichten Daten zur chirurgischen Händedesinfektion nach EN 12791 mit alkoholischen Händedesinfektionsmitteln, die CHG, MES oder OPP enthalten, auf eine mögliche Verbesserung der Langzeitwirkung hin.2 Laut EN 12791 ist eine Langzeitwirkung dann vorhanden, wenn die Re-Kolonisation der Händeflora unter dem sterilen OP-Handschuh so stark unterdrückt werden kann, dass sie nach 3 Stunden signifikant niedriger ist als nach Anwendung eines Referenzalkohols. Zwei Datensätze fanden sich mit alkoholischen Präparaten, die 0,5 % oder 1 % CHG enthalten. Eine verbesserte Langzeitwirkung wurde bei beiden nicht nachgewiesen. 23 Datensätze wurden für propanolische Präparate eruiert, die 0,2 % MES enthalten. Eine verbesserte Langzeitwirkung war nicht vorhanden, wenn die Anwendung 1 Minute (1 Datensatz), 1,5 Minuten (14 Datensätze; empfohlene Anwendungsdauer) oder 2 Minuten dauerte (1 Datensatz). Nach 3 Minuten zeigte sich in 3 von 7 Datensätzen eine bessere Langzeitwirkung. Das ethanolische Präparat mit 0,1 % OPP wies nach einer Anwendung von 1,5 Minuten ebenfalls keine bessere Langzeitwirkung auf. Im Hinblick auf die heute übliche Anwendungsdauer von 1,5 Minuten zeigte keine dieser Rezepturen eine überlegene Langzeitwirkung.2

Eine weitere Studie aus 2017 zeigte erstmals, dass zwei identische propanolische Rezepturen (45 % Propan-2-ol und 30 % Propan-1-ol) ohne MES (handrub 1 der Studie) und mit 0,2 % MES (handrub 2 der Studie) bei 1,5 Minuten Anwendungsdauer eine vergleichbare Wirksamkeit unter dem sterilen OP-Handschuh nach 3 h (Langzeitwirkung nach EN 12791) aufweisen.3 Demnach zeigte die Rezeptur mit 0,2 % MES erneut keine bessere Langzeitwirkung. In der Studie wurde außerdem ein marktführendes propanolisches (45 % Propan-2-ol, 30 % Propan-1-ol) Produkt mit 0,2 % MES (handrub 3 der Studie) geprüft. Auch dieses Produkt hatte im Vergleich mit einem Produkt ohne MES lediglich eine vergleichbare Langzeitwirkung.3 Mit dem fehlenden Nutzen wiegen mögliche Risiken deutlich schwerer. Für CHG beispielsweise ist ein Risiko für erworbene bakterielle Resistenzen5, Hautirritationen6 und anaphylaktische Reaktionen7 beschrieben worden. Aufgrund der Nebenwirkungen werden von der KRINKO bereits heute alkoholische Händedesinfektionsmittel mit CHG für den täglichen Einsatz zur chirurgischen Händedesinfektion kritisch bewertet.1 Für MES wurde ein leichtes Irritationspotenzial beschrieben.2 „Durch die Studien konnten wir belegen, dass auch bei der chirurgischen Händedesinfektion remanent wirksame Wirkstoffe keinen zusätzlichen Nutzen für die Wirksamkeit haben. Da sie jedoch mit Risiken für den Anwender verbunden sind, sollte heutzutage darauf verzichtet werden“, erläuterte Kampf die Ergebnisse. Lediglich bei einer Anwendungsdauer von drei Minuten zeigte sich bei 3 von 7 Datensätzen eine Langzeitwirkung für den Wirkstoff MES (0,2 %).2 Da heutzutage jedoch in der Regel die Anwendungsdauer bei 1,5 Minuten liegt, könne dies vernachlässigt werden, so Prof. Kampf. Sowohl für die hygienische als auch für die chirurgische Händedesinfektion bietet Lohmann & Rauscher (L&R) in Österreich seit dem 01. Juni 2017 das propanolische Händedesinfektionsmittel „L+R handdisinfect blue“ an. Dessen Wirksamkeit –auch gegen Noroviren und Adenoviren – ist vom Verbund für angewandte Hygiene (VAH) zertifiziert, es enthält keinen Zusatz von remanent wirksamen Wirkstoffen und entspricht somit den aktuellen Empfehlungen der KRINKO1. Die empfohlene Einwirkzeit unterscheidet je nach Anwendungsgebiet, in 30 Sekunden für die hygienische Händedesinfektion und 90 Sekunden für die chirurgische Händedesinfektion. Das Produkt ist zusätzlich zur VAH Liste ebenfalls im ÖGHMP-Expertisenverzeichnis gelistet.

Referenzen:

1. KRINKO am Robert Koch Institut. Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Bundesgesundheitsblatt. 2016;59: 1189-220.
2. Kampf G et al. J Hosp Infect 2017;95: 163-168.
3. Kampf G. J Hosp Infect. 2017;96: 189-191.
4. WHO: WHO guidelines on hand hygiene in health care. First global patient safety challenge—clean care is safer care. Geneva, 2009
5. Kampf G. J Hosp Infect 2016;94: 213-227.
6. Slotosch CM et al. Contact Dermatitis 2007;57: 235-241.
7. www.fda.gov/Drugs/DrugSafety/ucm530975.htm, zuletzt aufgerufen: Juni 2017.

 

Weitere Informationen zu Lohmann & Rauscher (L&R) unter:

 

www.lohmann-rauscher.com

 

Abdruck honorarfrei – Belegexemplar erbeten.


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